Politik und Gesellschaft in Liechtenstein nach 1945 [Anmeldung erforderlich!]

Vortragsreihe:
Kriegsende und Nachkriegszeit – Konturen einer neuen Ära
Zeit:
22. September 2020, 18:30 - 20:00
Ort:
Mehrzwecksaal des Vereinshauses
Haldenstrasse 86
LI 9487 Gamprin
Lageplan

Anmeldung erforderlich
Die Platzzahl ist beschränkt. Wir bitten um Anmeldung bis 20.9.2020 an info(at)liechtenstein-institut.li

 

Referenten
Dr. Wilfried Marxer, Politologe, Forschungsleiter Politik am Liechtenstein-Institut
lic. phil. Fabian Frommelt, Historiker, Forschungsleiter Geschichte am Liechtenstein-Institut

 

Zum Vortrag
Nachdem sich der erste Vortrag dieser Reihe mit der Situation unmittelbar beim Kriegsende 1945 beschäftigt hat, weitet der zweite Vortragsabend den Blick in die Nachkriegszeit bis etwa 1960: Inwiefern handelte es sich um eine Zeit des beschleunigten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels?

 

Wilfried Marxer geht auf die politische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ein, beginnend mit den ersten ordentlichen Landtagswahlen seit 1936 im April 1945. Die folgenden Jahre waren geprägt von Parteienstreit trotz Koalitionsregierung, der Kandidatur einer neuen Wählergruppe, zwei Landtagsauflösungen und somit vorgezogenen Neuwahlen in den 1950er-Jahren. Fabian Frommelt widmet sich der Schichtung der liechtensteinischen Gesellschaft im Übergang von der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft.

 

Einbezogen werden sowohl die öffentlich geführten Diskurse über die soziale Gliederung der Bevölkerung in den späten 1940er- und 1950er-Jahren als auch die diesbezüglichen Kategorisierungen der amtlichen Statistik (Volkszählungen). Knapp skizziert werden zudem die spezifische Lage einzelner sozialer Gruppen sowie die vorherrschenden gesellschaftlichen Spannungen dieser Zeit.

 

Zur Vortragsreihe
Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Damit endete der unmittelbare Schrecken des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die menschlichen und moralischen Tragödien sowie die politischen und wirtschaftlichen Lasten des Krieges beschäftigten die kriegsbetroffenen Menschen und Länder jedoch weit über das Kriegsende hinaus. Die Vorlesungsreihe des Liechtenstein-Instituts nimmt sowohl die Situation bei Kriegsende 1945 als auch die Verhältnisse und Entwicklungen in den ersten Nachkriegsjahren in den Blick: Markierte «1945» den Beginn einer neuen Ära?

 

Der erste Teil der Vortragsreihe thematisiert die Herausforderungen bei Kriegsende. Liechtenstein hatte unter anderem die Grenzsicherung und den Flüchtlingsandrang zu bewältigen, den Übertritt der 1. Russischen Nationalarmee und die Überführung der fürstlichen Kunstsammlung, das Ende der Rationierung und die innere «Befriedung». In Deutschland hatten die Probleme eine ganz andere Dimension: Niederlage und alliierte Besetzung, Flucht und Vertreibung, Besatzungsherrschaft und Hunger, Entnazifizierung, Konfrontation mit Kriegsverbrechen und Holocaust. Millionen ehemaliger Konzentrationslagerhäftlinge, Kriegsgefangener oder Zwangsarbeiter waren im ehemaligen Reichsgebiet gestrandet.

 

Der zweite, interdisziplinäre Teil der Vortragsreihe widmet sich der Frage, inwiefern die Jahre nach 1945 in Liechtenstein eine Zeit des beschleunigten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels darstellten. Eingegangen wird u.a. auf die innenpolitischen Auseinandersetzungen und die ersten Bemühungen um eine aussenpolitische Öffnung, auf die Schichtung der liechtensteinischen Gesellschaft im Übergang von der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, auf die volkswirtschaftliche Entwicklung zwischen Mangelwirtschaft und Überhitzungserscheinungen sowie auf die rechtliche Kompetenzverteilung zwischen Regierung und Landtag bei den wirtschaftlichen Weichenstellungen und auf die diesbezügliche Abhängigkeit von der Schweiz.

 

Streitende Politik und gesellschaftliche Spannungen. Liechtensteiner Vaterland, 23. September 2020
Die Unterländer waren 1954 gegen die Einführung der AHV. Liechtensteiner Volksblatt, 23. September 2020

 

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