Funkensonntag

06.03.2019 - Jahreskreis
Der Funkensonntag findet praktisch im gesamten schwäbisch-alemannischen Raum am ersten Sonntag der Fastenzeit statt. Entgegen der landläufigen Meinung geht er weder auf germanisch-heidnische Ursprünge zurück, noch soll mit ihm der Winter vertrieben werden.
Stattdessen hat er viel mit dem frühneuzeitlichen Fasnachtsbrauchtum zu tun, wie Manfred Tschaikner für Vorarlberg gezeigt hat. Dieses war in der Region mit Scheibenschlagen, Fackelschwingen und dem Abbrennen von Fasnachtsfeuern verbunden. Die als „Funken“ bezeichneten Fackeln dienten dem Vertreiben schädlicher Mächte, während die Feuer eine Verkörperung des geschwächten Vegetationsgeistes darstellten. Dessen rituelle Verbrennung im Frühjahr galt als Voraussetzung für Wiedererstehung und neues Wachstum der Vegetation.
  

Im 18. Jahrhundert erlebte das Funkentreiben einen Niedergang und seine ursprüngliche Bedeutung geriet in Vergessenheit. Es lebte erst Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf. Nun rückten die ursprünglich eher nebensächlichen Feuer in den Mittelpunkt und der Name „Funken“ sprang von den Fackeln auf die Feuer über. Erst ab dieser Zeit kamen auch die mit Schwarzpulver gefüllten und auf dem Funken verbrannten Funkenhexen auf – was aufgrund der naheliegenden Verbindung zur realen Verbrennung vermeintlicher Hexen in der Frühen Neuzeit immer wieder Kritik auslöst.

Traditionell oblagen das Einsammeln des Brennmaterials und der Aufbau des Funkens der Dorfjugend. Diese Aufgabe ging jedoch ab den 1960er-Jahren zunehmend auf die neu gegründeten Funkenzünfte über. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand der „Funkaküachle“-Brauch: Nach diesem beim Funkenabbrennen verspiesenen Schmalzgebäck wird der Funkensonntag auch „Küachlesunntig“ genannt.

 

Zum Bild: Triesenberger Kinder bauen einen Funken im Schibabühel. Fotografie, 1930 (GATb). Der Triesenberger Flurname Schibabühel leitet sich vom Brauch des Scheibenschlagens ab, bei dem am Funkensonntag glühende Holzscheiben in die Luft geschleudert wurden.

 

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