Vom Mangel zur Überhitzung – Liechtensteins Wirtschaft in der Nachkriegszeit

Lecture series:
Kriegsende und Nachkriegszeit – Konturen einer neuen Ära
Time:
29 September 2020, 18:30 - 20:00
Location:
Mehrzwecksaal des Vereinshauses
Haldenstrasse 86
LI 9487 Gamprin
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Referent/Referentin
Dr. Andreas Brunhart, Ökonom, Forschungsleiter Wirtschaft am Liechtenstein-Institut
Prof. Dr. Patricia Schiess, Juristin, Titularprofessorin an der Universität Zürich und Forschungsleiterin Recht am Liechtenstein-Institut

 

Zur Vortragsreihe
Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Damit endete der unmittelbare Schrecken des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die menschlichen und moralischen Tragödien sowie die politischen und wirtschaftlichen Lasten des Krieges beschäftigten die kriegsbetroffenen Menschen und Länder jedoch weit über das Kriegsende hinaus. Die Vorlesungsreihe des Liechtenstein-Instituts nimmt sowohl die Situation bei Kriegsende 1945 als auch die Verhältnisse und Entwicklungen in den ersten Nachkriegsjahren in den Blick: Markierte «1945» den Beginn einer neuen Ära?

 

Der erste Teil der Vortragsreihe thematisiert die Herausforderungen bei Kriegsende. Liechtenstein hatte unter anderem die Grenzsicherung und den Flüchtlingsandrang zu bewältigen, den Übertritt der 1. Russischen Nationalarmee und die Überführung der fürstlichen Kunstsammlung, das Ende der Rationierung und die innere «Befriedung». In Deutschland hatten die Probleme eine ganz andere Dimension: Niederlage und alliierte Besetzung, Flucht und Vertreibung, Besatzungsherrschaft und Hunger, Entnazifizierung, Konfrontation mit Kriegsverbrechen und Holocaust. Millionen ehemaliger Konzentrationslagerhäftlinge, Kriegsgefangener oder Zwangsarbeiter waren im ehemaligen Reichsgebiet gestrandet.

 

Der zweite, interdisziplinäre Teil der Vortragsreihe widmet sich der Frage, inwiefern die Jahre nach 1945 in Liechtenstein eine Zeit des beschleunigten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels darstellten. Eingegangen wird u.a. auf die innenpolitischen Auseinandersetzungen und die ersten Bemühungen um eine aussenpolitische Öffnung, auf die Schichtung der liechtensteinischen Gesellschaft im Übergang von der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, auf die volkswirtschaftliche Entwicklung zwischen Mangelwirtschaft und Überhitzungserscheinungen sowie auf die rechtliche Kompetenzverteilung zwischen Regierung und Landtag bei den wirtschaftlichen Weichenstellungen und auf die diesbezügliche Abhängigkeit von der Schweiz.