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Projektpartner treffen sich in Zypern

22.10.2019 - Mitteilung
Am 18. Oktober 2019 fand in Zypern das vierte Treffen der Projektpartner des Erasmus+-Projektes "Challenges to Democracy and Social Life in European Small States" statt. Es wurde von den Projektpartnern in Zypern in der University of Nicosia durchgeführt. Die beiden thematischen Schwerpunkte waren internationale Beziehungen und Diplomatie einerseits, Konflikte und Konfliktlösungen andererseits. Wilfried Marxer und Georges Baur berichteten über Liechtenstein.

Zwischen den verschiedenen am Projekt beteiligten Kleinstaaten zeigen sich deutliche Differenzen in Bezug auf beide Themenbereiche. Die geografische Lage, die jeweilige Bevölkerungsgrösse und die verfügbaren Ressourcen, die Wirtschaftsstruktur wie auch kulturelle und historische Faktoren prägen das aussenpolitische Engagement von Kleinstaaten massgeblich. Es zeigen sich grosse Differenzen in der internationalen Einbindung, etwa im Verhältnis zur Europäischen Union, der Mitgliedschaft in der NATO und vielen weiteren internationalen Organisationen. Im Vordergrund der internationalen Beziehungen und der Diplomatie stehen bei vielen Kleinstaaten die Absicherung der Souveränität und wirtschaftliche Überlegungen, aber auch die regionale Interessenbündelung. Andere Schwerpunkte sind je nach Kleinstaat auch Menschenrechte, die Verlässlichkeit internationaler Regelungen, die Gefahren des Klimawandels und weitere Prioritäten. Es zeigt sich, dass Kleinstaaten schnell und flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren müssen, wie dies beispielsweise nach der globalen Finanzkrise 2008 und mit dem zunehmenden Druck auf Finanzdienstleistungszentren der Fall war.

Eine grosse Bandbreite zeigt sich auch hinsichtlich vergangener und gegenwärtiger Konflikte, massgeblicher Akteure und interner wie auch externer Mechanismen der Konfliktlösung. Die anhaltende Teilung Zyperns nach der türkischen Invasion 1974, die Okkupation Luxemburgs durch die Deutschen in zwei Weltkriegen wie auch die Wiedererlangung der Souveränität von Estland und Montenegro nach dem Zerfall der Sowjetunion und Jugoslawiens können beispielhaft als Krisen für Kleinstaaten und mögliche Lösungen hervorgehoben werden. Jeder Kleinstaat weist jedoch zahlreiche weitere interne wie externe Konflikte auf, die zu lösen waren oder noch zu lösen sind, wobei es etwa um Fragen der Gewaltenteilung, um sprachliche oder ethnische Konflikte, Zuwanderung und Abwanderung und viele weitere Problembereiche gehen kann.

Dem Erasmus+-Netzwerk sind Wissenschaftler/-innen aus neun Staaten angeschlossen: Andorra, Estland, Island, Liechtenstein, Luxemburg, Malta, Montenegro, San Marino und Zypern. Die Leitung liegt beim Liechtenstein-Institut. Während der Projektlaufzeit von 2018 bis 2021 werden an acht Treffen insgesamt vierzehn thematische Schwerpunkte diskutiert und über die Situation in den jeweiligen Staaten berichtet. Die Ergebnisse werden künftig auf einer Projektwebsite der interessierten Öffentlichkeit "open access" zur Verfügung gestellt und können für die Erwachsenenbildung in Kursen oder im Selbststudium, aber auch darüber hinaus eingesetzt werden.

Das Netzwerk bietet die grosse Chance einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen von europäischen Kleinstaaten, um Gemeinsamkeiten und Differenzen herauszuarbeiten und entsprechende Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Das nächste Treffen findet im März 2020 in Luxemburg statt und widmet sich den Themen wirtschaftliche Entwicklung und regionale Kooperation.

Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter den nachstehenden Links:
„Challenges to Democracy and Social Life in European Small States“
Herausforderungen für europäische Kleinstaaten - Erasmus+-Projekt gestartet 
Erasmus+-Treffen in Malta 
Erasmus+-Treffen in Island 

small states workshop Cyprus


Bildlegende:
Vordere Reihe (v.l.): Omar Grech (Malta), Nicos Trimikliniotis (Zypern), Anna-Lena Högenauer (Luxemburg), Marinos Papaioakeim (Zypern)
Mittlere Reihe (v.l.): Tómas Joensen (Island), Pia Hansson (Island), Külli Sarapuu (Estland), Olivera Komar (Montenegro), Nemanja Stankow (Montenegro), Wilfried Marxer (Liechtenstein)
Hintere Reihe (v.l.): Godfrey Baldacchino (Malta), Cristina Yáñez de Aldecoa (Andorra), Michele Chiaruzzi (San Marino), Georges Baur (Liechtenstein), Edoardo Rossi (San Marino)

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