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Liechtenstein Institut Bendern, Liechtenstein

 
 
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Zur Idee des Liechtenstein-Instituts

[Auszug aus der Rede des langjährigen Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Rates, Dr. Dr. h.c. Gerard Batliner (1928-2008), anlässlich der Eröffnung des Liechtenstein-Instituts am 22. August 1987]

 

Dr. Dr. h.c. Gerard Batliner

Sie werden fragen, was das Liechtenstein-Institut heute ist und was es will...

Vorerst einige Worte zur Ausgangslage. Liechtenstein ist ein kleiner, unabhängiger Staat. Es ist ein Land mit einer spezifischen Verfassung, einer weltweit ausgerichteten Wirtschaft, einer Gesellschaft mit eigentümlich gemischter Zusammensetzung und ausgeprägtem Eigenbewusstsein. Das Land hat seine besondere Geschichte, aus der heraus es entstanden und erhalten geblieben ist, dank seiner Kleinheit und seiner Randlage, dank dem Fürsten und dem Selbständigkeitswillen des Volkes – und etwas sollten wir auch dem Geheimnis der Zeitläufe übriglassen.

Der Weg Liechtensteins im 20. Jahrhundert und insbesondere seit 1945 zum teils hochentwickelten Gemeinwesen ist bekannt. Dr. Dr. h.c. Gerard BatlinerWir stehen mitten in der Entwicklung mit ihrer Dynamik und ihrer Problematik...

Landesbezogene Forschung geschieht in grösseren Ländern vor allem an den Hochschulen. In Liechtenstein wird technische Forschung in der Industrie intensiv und punktuell führend betrieben. Eine wissenschaftliche Beschäftigung von vergleichbarem Standard mit dem Staat, etwa auf Hochschulebene fehlt... Das Liechtenstein-Institut versucht nun, in einigen Bereichen die Lücken zu verengen und Untersuchungen zu Liechtensteinthemen zu leisten, professionell, sorgfältig und mit wissenschaftlicher Methode...

Das Institut will in den Fachbereichen Recht, Politikwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft und Geschichte tätig werden, indem Forschungsbeauftragte Projekte bearbeiten.

Die Forschung und Lehre am Institut ist thematisch liechtensteinbezogen. Was heisst dies? Es geht um die Erforschung der Grundlagen dieses Staates in einem weiten Sinn. Die Wirklichkeit wird zeigen, wie verwoben unser Land mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft des grösseren Raumes ist. Andererseits ist Liechtenstein-Forschung nicht zu bewältigen ohne die Zuwendung zum Einzelnen und Unterscheidenden, ohne das Sich-Einlassen auf die konkreten Bedingungen. Wer glaubt, das Mikro-Gebilde Liechtenstein in einem Blick zu fassen, der geht an der Realität unseres Gemeinwesens vorbei.

Wir erhoffen vom Institut auch einen bescheidenen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung allgemein, indem am liechtensteinischen Fall die umfassenderen Grundfragen ins Blickfeld kommen und erforscht werden. „Das Ganze im Fragment“ lautet der Titel eines Buches (Hans Urs von Balthasar)...

Das Schwergewicht der Tätigkeit des Instituts liegt, ohne die sonstigen genannten Tätigkeiten zu vernachlässigen, im Bereich der Forschung. Mit konkreten Liechtensteinprojekten von kürzerer bis mehrjähriger Projektdauer werden jeweils sehr gut qualifizierte Akademiker betraut, die sich über eine erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit ausweisen und von ihrem bisherigen Forschungsschwerpunkt her eignen. Das Institut sollte gerade auch für liechtensteinische Akademiker - wie erfreulich wäre dies - einen Anreiz bieten, sich wissenschaftlicher Arbeit zu widmen und sich mit ihr zu qualifizieren."